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Die Augsburger Audiokünstler Gerhard Zander und Gerald Fiebig bilden seit 2006 ein Duo für elektroakustische Improvisation. Trotz einer an Cage’schen Ideen geschulten Konzentration auf das einzelne Klangereignis und die Stille zwischen zwei Klängen haben Zander und Fiebig dank ihrer popmusikalischen Sozialisation auch keine Berührungsängste mit den regelmäßigen Rhythmen, die sich aus Live-Loops ergeben.
Die Live-Performances von Zander und Fiebig loten eine extrem große Bandbreite dynamischer Aggregatszustände aus – von sehr leisen Passagen minimaler Naturklänge über harmonische Klangfarbflächen bis zu plötzlichen Ausbrüchen elektronischer Störgeräusche.
Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit von Zander und Fiebig liegt auf der Erschließung der Klangmaterialien des jeweiligen Aufführungsraums. Zander/Fiebig begreifen ihr Duo als offene Versuchsanordnung, die Anschlussmöglichkeiten für Musiker aus den unterschiedlichsten Bereichen bietet.
In den Live-Performances von Zander/Fiebig verbinden sich unterschiedliche Klangerzeuger und Spielweisen:
1) Elektromagnetisches Picknick (MP3-Download, 2:40 min, 3,7 MB)
Ein von Gerhard Zander konzipiertes Ensemble von alltäglichen Elektrogeräten, deren elektromagnetische Felder durch Induktionsmikrofone hörbar gemacht und mittels Effektgeräten und Sampling live bearbeitet und arrangiert werden.
2) Elektroakustisches Picknick (MP3-Download, 3:07 min, 4,3 MB)
Elektroakustisches Picknick (Video) (Youtube-Link)
Neben den Klängen elektromagnetischer Felder sind selbstgebaute Geräuschinstrumente aus Alltagsgegenständen sowie gefundene Objekte aus dem Umfeld des jeweiligen Aufführungsortes wichtige Teile des Instrumentariums. Sie werden mittels piezokeramischen Mikrofonen hörbar gemacht, live bearbeitet und mit Aufnahmen von Umweltgeräuschen kombiniert. Mittels eines piezo-mikrofonierten Geigenbogens kann auch der Aufführungsraum selbst klanglich „abgetastet“ werden.
3) Signal Processing (MP3-Download, 2:34 min, 3,5 MB)
Eine spezielle Methode des improvisatorischen Dialogs im Duo ist die Live-Bearbeitung eines Bass- oder (wie hier zu hören) Gitarrensignals. Während Gerhard Zander das Instrument spielt, verfremdet Gerald Fiebig in Echtzeit dessen Klang und bringt eine parallele oder kontrastierende musikalische Ebene hervor.
4) „No-input Mixing Board“ nach Toshimaru Nakamura (MP3-Download, 2:39 min, 2,4 MB)
Diese in Japan entwickelte, inzwischen weltweit verbreitete Methode verwendet als einzigen Klangerzeuger ein Mischpult, dessen Input mit dem Output verbunden wird. Die dabei entstehenden Rückkopplungsklänge werden mit Effektgeräten in Echtzeit bearbeitet.
5) Trio mit Glasharmonikaspieler Bruno Kliegl (MP3-Download, 2:21 min, 2,2 MB)
Bruno Kliegl pflegt die klassische Literatur für Glasharmonika – ein historisches Instrument aus dem 18. Jahrhundert –, macht den extrem obertonreichen „Sphärenklang“ des Instruments aber auch für improvisierte Musik nutzbar. Die elektronische Bearbeitung seiner Klänge durch Zander/Fiebig erweitert das hypnotische Klangspektrum der Harmonika um neue Aspekte und lässt ihre überraschende Modernität hörbar werden.
Ein Interview mit Gerhard Zander/Gerald Fiebig und einen Livemitschnitt der Performance "Abtastung" finden Sie auf der Seite von brainhall art production.