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Privatkopien
Ein Projekt von Gerald Fiebig

Ich ziehe um und muss mich aus Platzgründen von manchem trennen, zum Beispiel von alten Tapes.
Weil mir die Musik darauf einmal viel bedeutet hat, möchte ich nicht, dass sie einfach verschwindet. Ich möchte sie mit anderen teilen.

Technisch zeitgemäß wäre es, die Tapes zu digitalisieren und die Musik ins Netz zu stellen.
Doch das ist nach deutschem (und internationalem) Urheberrecht verboten.

In der Zeit der Analogkassette dagegen gab es für jeden Musikkonsumenten ein Recht auf die Privatkopie.
Dieses Recht wird uns heute im Zeichen des "Digitalen Rechtemanagements" von der Industrie abgesprochen: Technischer Fortschritt wird untergraben durch einen Rückschritt bei den Verbraucherrechten.

Wir hören heute an jeder Ecke, dass wir in einer Informations- und Wissensgesellschaft leben und lebenslang lernen müssen, um im heutigen Wirtschaftsleben unsere Existenz bestreiten zu können.
Gleichzeitig untergraben restriktive gesetzliche Regelungen den freien Austausch von Information.
Keine gute Voraussetzung für kontinuierliches Lernen, finde ich. Denn ich habe allein schon von den Kassetten, die mir andere Leute aufgenommen haben, ungeheuer viel gelernt.
Nicht nur über Musik, sondern auch über die Welt.

Fortschritt in Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft entsteht immer nur aus dem Austausch von Ideen, aus deren kreativer Aneignung und Weiterentwicklung.
Übertriebene Patent- und Urheberschutzrechte drohen die Möglichkeiten dieser Kreativität zu untergraben, deren Potenzial heute durch das Internet größer ist als je zuvor.

Bei diesem drohenden Rückschritt will ich weder mitmachen noch tatenlos zusehen.
Deshalb verschenke ich meine alten Kassetten mit Privatkopien an Menschen, die ich (noch) nicht kenne, indem ich die Tapes an unterschiedlichsten Orten im öffentlichen Raum hinterlege.

Diese Geste soll die "gute alte", analoge Privatkopie zusammenschließen mit dem anonymen digitalen Tausch, wie er für das Internet typisch ist.

Diese Geste weist auch darauf hin, dass andere Spielregeln für die Verteilung von Musik, Filmen und Texten möglich sind.
Nicht nur die, mit denen uns die Medienindustrie zu knebeln versucht.

Hier gibt es mehr Informationen und Ideen, um selbst etwas zu tun:

http://privatkopie.net/
http://de.creativecommons.org/
http://wiki.piratenpartei.de/Kulturflatrate
Grundsatzerklärung zum Tag des geistigen Eigentums
http://www.attacmarburg.de/wissensallmende/
http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturflatrate

Ich freue mich über Rückmeldungen zum Thema (und zur Musik auf den Kassetten) unter geraldfiebig (at) aol (com)

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