Mittwoch, 08. September 2010
Gerhard Zander/Gerald Fiebig
Elektroakustisches Picknick (SoundCycle)
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Programmtext
Die Performance des elektroakustischen Improvisationsduos Gerhard Zander/Gerald Fiebig will wesentliche Aspekte der Ästhetik von „Sounding D“, die alle Orte des Netzwerks Neue Musik symbolisch verbinden soll, für den Netzwerkknoten Augsburg lokalisieren. Sie tut dies in Form einer Aufführung, die sowohl zeitlich wie räumlich die Ankunft des Klangzugs am Hauptbahnhof Augsburg mit dem Abendkonzert im Textilmuseum verbindet.
Per Fahrrad mit Anhänger (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von unserer Sponsorin Anja van Kempen) für den Transport des Equipments nehmen Gerhard Zander/Gerald Fiebig die Geräusche der Stadt als Vorlage, zu denen sie elektronische Klänge fügen – wie Robin Minard in „Sounding D“, allerdings live und ohne die Geräusche der Stadt zu selektieren. Indem sie ihre Performance für die Geräusche der Stadt öffnen, öffnen Gerhard Zander/Gerald Fiebig auf symbolischer Ebene den Klangzug zur Stadt hin. Augsburg-Sounds aus Minards Komposition kehren in veränderter Form als Teil der Live-Improvisation wieder: Die Live-Soundscape remixt die Soundscape-Komposition. Gegenstände, die die Spieler an den Spielorten finden, werden in die Performance integriert, indem sie mit Piezo-Tonabnehmern abgetastet werden.
Die Performance ist für jedermann erfahrbar – als Hörer, als Zuschauer, als Begleiter.
Gerhard Zander/Gerald Fiebig spielen jeweils ein etwa 20-minütiges Konzert zu folgenden Zeiten/an folgenden Orten:
12:00 Vorplatz des Hauptbahnhofs (bei Regen: unter dem Vordach des Hauptbahnhofs)
13:00 Ernst-Reuter-Platz, vor der Stadtbücherei (bei Regen: im Erdgeschoss der Stadtbücherei)
14:00 Hofgarten (bei Regen: unter dem Vordach des Stadttheaters)
15:00 Holbeinplatz (bei Regen: im Erdgeschoss des Holbeinhauses/Kunstverein)
16:30 Botanischer Garten, Japangarten (auch bei Regen)
18:00 Rathausplatz (bei Regen: im Rathaus, Unterer Fletz)
19:00 Textilmuseum, Foyer (auch bei Regen)
"Ein Komponieren, das solchermassen den [...] relativ geschützten Rahmen der zeitlich und räumlich begrenzten Vorführung verlässt und das Risiko eingeht, auf Situationen einzuwirken und Situationen zu verändern, die sich nur zum Teil vom Komponisten bestimmen lassen, mag [...] vielleicht wesentlicher zur 'Musikalisierung des Lebens' (wie es so schön heisst) beitragen als ein Komponieren, das sich mit der Gestaltung von Kunstereignissen und deren Verkettung begnügt und das Resultat ohne Einmischung von aussen vorstellt. Musikalische Ideen werden dann nicht mehr Vorstellungen von kontextunabhängigen Ereignissen sein, sondern Vorstellungen von den wahrscheinlich zu erwartenden Verflechtungen der vom Komponisten erdachten und geformten Ereignisse mit den andern, wahrscheinlich auftretenden Ereignissen und von der wahrscheinlich zu erwartenden Wahrnehmungsbeteiligung wahrscheinlich zu erwartender Adressaten."
Albert Mayr: Eine unwahrscheinliche Musik. In: Zeitschrift für experimentelle Musik, Heft 7 (Dezember 1986)